PODIUM Freies Theater 08

02. bis 04. Juli 2008
Theater Garage Erlangen

Pressespiegel

Erlanger Nachrichten Fr 4. Juli (bühnenknechte)

Ein Trip durch die Nacht

Falk Richters „Alles. In einer Nacht" beim „Podium“-Festival

Es ist ja nicht so sehr die Suche nach dem Freund, der sie verlassen hat, die die junge Frau hinaustreibt in die Nacht. Es ist vielmehr die Suche nach Leben, dem wilden, hemmungslosen, mit allen Sinnen spürbaren, respektive nach dem, was die Frau für Leben hält. Die erschütterte Psyche auf nächtlicher Taxifahrt: Mit der Inszenierung von Falk Richters Ein-Personen-Stück „Alles. In einer Nacht“ durch „die bühnenknechte“ wurde nun das „Podium“-Festival der freien Theatergruppen eröffnet.

Erstaunlich, wie ein solches Setzkasten-Konglomerat aus den 90er Jahren immer noch funktioniert, trotz einer gewissen Kunst-Angestrengtheit: Wenige echte eigene Erfahrungen werden einfach mit Fetzen erinnerter Filmmomente vermengt, so dass ein in der Gestaltung hoch artifizieller, gleichwohl in der Darstellung aber auch sehr emotionaler Ritt durch die Befindlichkeit einer Mittzwanzigerin auf der „Garagen“-Bühne präsentiert wird. Und die ist anfänglich nur mit einem Sofa bestückt. Darauf lümmelt die Frau, die eine vergangene Liebe in der Erinnerung Revue passieren und die Hotelrezeption sämtliche Mobilfunk-Nummern des Verflossenen abtelefonieren lässt. Doch dann will sie´s wissen, stürzt sich mit Verve und Neugier ins Nachtleben und drangsaliert den sie herumkutschierenden Taxifahrer damit, sich auf ihre beständigen Einlassungen zu äußern. Da weiß jemand nicht genau, was er will, tastet sich vor, jagt Phantomen hinterher.

Bewegungen und Blicke

Lisa Hübner spielt die verzweifelt nach dem, was man Leben nennt, gierende Frau, und die komprimiert in Szene gesetzte Choreografie aus Bewegungen und Blicken meistert sie beachtlich. Die wilde Entschlossenheit, die Fahrigkeit, die Verletzlichkeit - alles ist da. Regisseur Uwe Scheer stattet seine konzentrierte Inszenierung noch mit Videoprojektionen und Sounddesign aus, die die intimistische Situation noch befeuern. Ein Trip durch die Nacht, durch eine Befindlichkeit, durch eine Seele.

mko

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