PODIUM Freies Theater 07

04. bis 06. Mai 2007
Theater Garage Erlangen

Pressespiegel

Erlanger Nachrichten Di 8. Mai

Von Liebhabern und anderen Gefühlskrisen

«Podium»-Festival zeigte Dramen

Persönliche Krisen und Versuche ihrer Bewältigung: Beim «Podium», dem Festival der freien Theatergruppen, standen am Wochenende Stücke auf dem Spielplan, die diffizile Beziehungsgeflechte zum Thema hatten.

Szenen einer Ehe: «Die Bühnenknechte», verdiente «Podium»-Veteranen, spielen Pinter, genauer: dessen Stück «The Lover». Der englische Literaturnobelpreisträger setzt eine eheliche Krise, die natürlich eine emotionale ist, äußerlich auf Sparflamme, dampft sie aber in ihrer Konsistenz auf ihr Innerstes ein – auf Gefühle und Nerven wird das Brennglas angesetzt, der Fokus ist heiß. Auf ungemein intensive Weise verkörpern Simone Poppschötz und Andres Müller ein Paar in der Eiszeit, gedimmte Emotionalität im bürgerlichen Häuschen im Grünen. Beide gehen fremd, ihr Liebhaber kommt sogar ins Haus. Doch alles entpuppt sich als böses Spiel, Spiel mit der Wahrnehmung, Spiel mit dem Innenleben, Spiel mit Erwartungen. Regisseur Uwe Scheer setzt die knochentrockene Knappheit des Dialogs, dieses erbarmungslose Frage-Antwort-Spiel, in zwingender Konsequenz um, spürbar bleibt Eiseskälte. Ein Streicherquartett unter der Leitung Robert Stephans liefert aus dem Off die musikalische Entsprechung dazu. Ein fragiles Seelen-Drama in intensiver Ausführung.

Psychedelisches Experiment

Anja Hillings Stück «Sterne», präsentiert vom Ensemble «ProjektMargot» (Marina Kopp, Kathrin Ehrlinger, Matthias Ilnicki, Matthias Schwethelm), stand dem in nichts nach: Am Anfang stehen das psychedelische Experiment einer vierköpfigen Clique und ein Selbstmord. Die verbliebenen Drei schlittern in eine Krise und fliehen vor ihren Gefühlen, die weitere Kommunikation findet als einzige Leerstelle statt. Man geht sich aus dem Weg, redet bewusst und unbewusst aneinander vorbei. Aus der Traum. Regisseurin Anna-Lena Henkel bannt die Geschichte in Zustandsbeschreibungen der Verstörung und Verzweiflung, in Mini-Dramen der Sprachlosigkeit und Lebenslügen. Packend die Leistung der Akteure, die auf beeindruckende Weise Menschen an einem Wendepunkt auf die Bühne bringen. Ein spannender «Podium»-Jahrgang, endlich auch einmal vom Publikum honoriert.

mko

[zurück]