PODIUM Freies Theater 06

02. bis 07. Mai 2006
Theater Garage Erlangen

Pressespiegel

Erlanger Nachrichten Fr 5. Mai (bühnenknechte)

Die Bombe und die Medien

Schrill: "Sieben Sekunden" im Theater in der Garage

Es ist alles nur ein Film. Aber was für einer. Muss ein ambitionierter sein, oder so ein experimenteller. In bruchstückhaften Szenen (besser: Sätzen) wird er erzählt, collagenhaft verzerrt ist er, aber doch stets hübsch kenntlich. Bigotterie, Naivität und Paranoia Amerikas - da kann ein Einzelner (oder sind es doch alle?) schon mal die Peilung verlieren. Und dann ist das Chaos perfekt. Wie der Film, so das Stück: Falk Richters "Sieben Sekunden" ist ein schwirrendes Kaleidoskop des alltäglichen Medien-Irrsinns. Die "Bühnenknechte" haben es nun unter der straffen Regie Uwe Scheers im Rahmen des "Podium"-Festivals im Theater in der Garage gespielt.

Natürlich ist es kein Film (wie im Finale suggeriert). Theater ist's, "Sieben Sekunden" mit sieben Menschen. Fünf davon sitzen hinter einem Tisch mit Mikros, im Hintergrund steht sich ein Leibwächter die Beine in den Bauch. Die Frau im Vordergrund steht auch, auch sie ist mit einem Mikrofon "bewaffnet". Ein vielstimmiger Chor hebt an, von einem fatalen Ereignis mit einer fehl geleiteten amerikanischen Fliegerbombe zu berichten, die das eigene Land bedroht. Eingestreut Szenen aus der Vorstadt, der Heimat des Fliegers und seiner Familie. Ausschließlich chorisch wird zu Werke gegangen,(aus)gespielt wird nichts. Doch es ist ein Chor der Dissonanzen, der hier tätig ist: Mittels dieser assoziativen Montage mit Rede und Gegenrede, Fragen und Antworten, Fragen und Fragen wird ein mehrfach gebrochenes Realitätsbild geschaffen, das die Medien produzieren und das die Wahrnehmung des modernen Menschen normiert.

MANFRED KOCH

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