PODIUM Freies Theater 06

02. bis 07. Mai 2006
Theater Garage Erlangen

Pressespiegel

Erlanger Nachrichten Sa 6. Mai (theater ensemble)

Gangster am Ende mit den Nerven

"Reservoir Dogs" beim "Podium"

Man muss es nicht tun. Man muss nicht moderne Ikonen des Gangsterfilm-Genres in ein anderes Medium, namentlich in das Medium Theater, übertragen wollen. Diese Medien sind nicht kompatibel, zu unterschiedlich sind Dramaturgie und Gestaltung. Aber man kann es versuchen. Das "theater ensemble" hat dies getan: Im Rahmen des "Podium"-Festivals präsentierte es im Theater in der Garage die theatrale Version von Quentin Tarantinos Debütfilm "Reservoir Dogs" aus dem Jahr 1991.

Regisseur Christian Streng macht sich den rauen Touch des tarantinesken Minimalismus zu Eigen: Nichts lenkt ab vom knurrend-harten Gepräge des artifiziell kreierten Ganoven-Milieus, wie es nur das Kino (und hier auch das Theater) kennt, die Gang sitzt herum, palavert, bespricht den Überfall auf einen Juwelierladen und tauscht sich über Madonnas Hits aus. Die Gangster, die Musik, der Slang - ein einziger Zitatentopf, zusammengerührt aus allen möglichen Pop-Kultur-Splittern.

Der Überfall geht schief, der Fluchtpunkt Lagerhalle wird zur Arena des Misstrauens und der Gewalt: Es splattert wie im Film, das Blut fließt in Strömen. In Zweier- und Dreier-Konstellationen wird die Vorgeschichte all dessen erzählt. Das wird in schmucklosintensiven Szenen teilweise ansehnlich ausgebreitet und gespielt, die grimmige Erbarmungslosigkeit bricht sich in fiebrigen Momenten Bahn. Und doch funktioniert die Sache nicht in der Gänze, denn was in der filmspezifisch strafferen Dramaturgie spannungsvoll ist, wird auf der Bühne häufig zum bloßen dialogischen Schwadronieren. Wie gesagt, man muss es nicht tun.

MANFRED KOCH

Heute um 20 Uhr spielt das Spin Off Theater "Riverside Drive". Morgen folgen um 16 Uhr Monsieur Max und Mr. Top Flop sowie um 18 Uhr das papp&klapp THEATER (Karten-Tel. 862511).

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