PODIUM Freies Theater 06

02. bis 07. Mai 2006
Theater Garage Erlangen

Pressespiegel

Erlanger Nachrichten Di 9. Mai (Spin Off, PODIUM allg.)

Schräge Dispute und knackige Einzeiler

"Riverside Drive" beim "Podium"

Es ist das alte Spiel: Zuerst kam die Liebe, dann kamen die Kinder. Und dann kamen Liebe und Sex abhanden. Und eine Geliebte kam ins Spiel. Doch das Gewissen plagt, und so soll die Affäre beendet werden. Doch das ist gar nicht so einfach: Ein Störenfried, ein abgerissener Obdachloser, kommt dem erfolgreichen Drehbuchautor beim Ordnen seines Lebens in die Quere. Von Anfang an - Chaos.

Aber was für eins. Eins von Woody Allen. "Riverside Drive" lautet der Titel der Komödie des New Yorker Altmeisters, die das Spin-Off-Theater aus Nürnberg im Rahmen des "Podium"-Festivals im Theater in der Garage aufführte. Da ist er also wieder, der ehekrisen- und neurosengeschüttelte Intellektuelle, der auf die unschönen Realitäten der Welt trifft. Der Penner, der Signale von der Spitze des Empire State Building empfängt, hält dem nervösen Ehekrüppel den Spiegel vor und stellt gar Ungeheuerliches in den Raum: Der Schreiberling hätte ihm die Ideen für den letzten Film geklaut. Neurotiker trifft auf Psychopathen - was für ein Wort-Duell der besten Unterhaltung. Zwischen schrägen Disputen und knackigen Einzeilern darf sich auch mal die Geliebte blicken lassen, ein einfach strukturiertes Hascherl, das dann auch tatsächlich unsanft abserviert wird.

Regisseurin Britta Papenberg hat den Einakter straff inszeniert, lässt die Allen'sche Schlitzohr-Ironie im stilisierten Kaimauer-Einheitsbühnenbild sardonisch funkeln. Das ist freilich auch dem Ensemble (Frank Strobelt, Björn Doering und die Regisseurin selbst) zu verdanken, das die Dialog-Scharmützel mit hintersinniger Lust an der Typen-Persiflage auf die Bühnenbretter knallt. Unterhaltung der allerbesten Art.

Nicht die Bude eingerannt

"Podium" - wohin gehst du? Die Frage ist berechtigt, denn wie schon in den Vorjahren rannten die Zuschauer dem Festival der freien Theatergruppen keineswegs die Bude ein. Das Konzept mit unterschiedlichsten Stücken ist zwar nach wie vor stimmig, doch die freie städtische Theaterszene scheint leer gefegt respektive nicht (mehr) existent zu sein. Immer häufiger muss auf Ensembles aus den Nachbarstädten zurückgegriffen werden, deren Stücke in der Region bereits bekannt sind. Und die hiesigen Theaterwissenschaftler treten im Experimentiertheater auf. Was vor acht Jahren noch lebendig war, verkümmert zusehends.

MANFRED KOCH

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