PODIUM Freies Theater 05

06. bis 12. Juni 2005
Theater Garage Erlangen

Pressespiegel

Erlanger Nachrichten Di 14. Juni (Monsieur Max, Serpentes, PODIUM allg.)

Missgunst und Wahnsinn

Podium ging mit Kindertheater und „Salome" zu Ende

Neid, Missgunst und Betrug, wohin man schaut, selbst im Kindertheater. Was hier aber noch gut ausgeht, ist woanders fatalistisch bis tragisch: Zum Endspurt des diesjährigen „Podium"-Festivals gab es in der Garage noch Inszenierungen vom Monsieur Max Kindertheater und vom Theaterprojekt Serpentes zu sehen.

Bernhard Schermeyer (Monsieur Max) und Bettina Rodenberg setzen bei ihrer Bearbeitung von James Krüss' „Grand Prix der Heidehasen" sehr stark, vielleicht zu stark auf (Live-)Gesang - die Bänkelsängereien stehen der Fortentwicklung der Geschichte um den arglosen (Anti-)Helden Lodengrün, der beim alljährlichen Sängerwettstreit die Hand der Prinzessin gewinnen will, ab und an einfach im Wege. Dabei ist der Minimalismus in der Gestaltung sehr hübsch: Gemalte Hintergründe wie aus dem Bilderbuch sorgen für heitere Atmosphäre, bunte Hasenfiguren, einfach vor die Hintergründe gestellt, werden mittels verschiedener Dialekte sprachlich akzentuiert. Ein sehr samtpfotiges (besser: hasenpfotiges) Vergnügen.

Wahrer Theaterbrocken

Fanatismus, Delirium und Wahnsinn allenthalben: Oscar Wildes „Salome" ist ein wahrer Theaterbrocken, der so gut wie nichts von seinem böse funkelnden Ingrimm verloren hat. Seine Aktualität war sowieso immer vorhanden. Das Theaterprojekt Serpentes, ein Zusammenschluss von Profis und Amateuren aus den Bereichen Schauspiel, Regie, Tanz, Musik und bildende Kunst, hat eine Version entwickelt, die enorm ambitioniert ist und das Geschehen um Salome, die für einen Tanz für ihren Stiefvater Herodes von diesem den Kopf des sie verschmähenden Propheten Jochanaan verlangt, in ein wiedererkennbares Heute stellt und dadurch die gesellschaftspolitische Bedeutung der Handlung (nicht zuletzt durch die Hereinnahme zweier opportunistischer „Agenten") betont.

Von Anfang an herrscht eine fiebrige, von verzehrenden Leidenschaften und fast autistischer Selbstwahrnehmung beherrschte Atmosphäre, jeder tickt hier schnell aus, die Schraube der Emotionen ist bis zum letzten Gewinde gedreht, ja überdreht. Da ist es kein Wunder, dass unter Björn Ballbachs präziser Regie das absolut beeindruckende Ensemble expressivst zu Werke geht. Und Salome tanzt vor der Projektion einer Videosequenz: Die bei aller Deutlichkeit dennoch behutsame und subtile Adaption eines Klassikers, wohl überlegtes Regie-Theater.

Das war's mit dem „Podium 2005", das in Sachen Publikumszuspruch nicht ganz so katastrophal ausfiel wie noch im vergangenen Jahr. Auch in diesem Jahr war bemerkenswertes Theater der freien Gruppen zu sehen, die wieder einmal mehr bewiesen, dass sie keine Anhängsel des etablierten Stadttheaters sind, sondern durchaus eigene und auch eigenwillige künstlerische Sichtweisen entwickeln können. Die theaterinteressierte Öffentlichkeit scheint dies aber nicht wahrhaben zu wollen.

mko

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