PODIUM Freies Theater 05

06. bis 12. Juni 2005
Theater Garage Erlangen

Pressespiegel

Erlanger Nachrichten Fr 10. Juni (Studiobühne Erlangen)

Geisterbahnfahrt mit Widerhaken

Clinic II-Performance beim Podium

Unheimlich. Unheimlich und bedrückend. Albtraumhaft. Kafkaesk. Und lang. Manchmal zu lang. Langweilig. Heijko Bauer (Text) und Michael Ammann (Komposition) von der Studiobühne stellen in ihrem „Podium"-Beitrag „Clinic II - vivid, dead and alive" in der Garage eine surreale Fantasie her: Skurrile Text-Geflechte treffen auf ein unentwegt mäanderndes Klang-Geflecht, das gleichermaßen beeindruckt wie erschöpft.

Allein von einem grünen Tischlampenlicht lässt sich Heijko Bauer anstrahlen, aus dem farblichen Zwielicht heraus formuliert er - emotionslos im immer gleichen Tonfall raunend - seine Kopfgeburten: Alltagsszenerien in einem Krankenhaus, episodenhafte Miniaturen, in eine groteske Schieflage gebracht, im besten Sinne ver-rückt. Mysteriöse Aufzüge, medizinische Apparaturen, Reise-nach-Jerusalem spielende Krankenschwestern, Schorf an Patientenbeinen, verlassene Abteilungen - das sind unangenehme Vorstellungen des Unterbewusstseins, Skizzen aus durchwachter Nacht, Schemen aus dem Schattenreich.

Michael Ammann sitzt dabei an den Reglern, ein DJ der atmosphärischen Beklemmung, und „begleitet" die dunklen Visionen Bauers mit brachialem Soundgestöber und Toncollagen, die unangenehm berühren, er- und abschrecken, bedrängende Assoziationen wecken. Eine sinistre Geisterbahnfahrt fürs Kopf- und Gefühlskino, voller garstiger Akustik-Widerhaken und Story-Falltüren. Nur: Nach einer halben Stunde läuft sich die Sache tot, für 70 Minuten reicht die Dramaturgie nicht.

mko

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